Die geplante Euro-Einführung in Bulgarien Anfang 2026 könnte kurzfristig zu einem Preisanstieg führen, warnte die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde. Auf einer Konferenz in Sofia am 4. November erklärte sie, ein solcher Effekt sei üblicherweise auf das Runden von Preisen durch Unternehmen bei der Währungsumstellung zurückzuführen, die Auswirkungen würden jedoch moderat und von kurzer Dauer sein.
Laut Lagarde sind die Sorgen der bulgarischen Bürger über die steigenden Lebenshaltungskosten verständlich. Meinungsumfragen zeigen, dass etwa die Hälfte der bulgarischen Bevölkerung die Einführung des Euro weiterhin ablehnt, da sie Inflation und den Verlust der finanziellen Souveränität befürchtet. Deshalb sei es laut der EZB-Präsidentin wichtig, offen mit der Öffentlichkeit über das tatsächliche Ausmaß der möglichen Auswirkungen zu kommunizieren.
„Ja, während der Währungsumstellung werden einige Unternehmen möglicherweise versuchen, Preise zu runden, was kurzfristig zu einem Inflationseffekt führen wird. Dieser Effekt ist jedoch nicht signifikant und verschwindet schnell“, betonte Lagarde. Sie nannte Beispiele von Ländern, die diesen Weg bereits gegangen sind: In den meisten von ihnen stieg die Inflation vorübergehend nur um 0,2 bis 0,4 Prozentpunkte. Selbst in Kroatien, das 2023 unter Bedingungen hoher Inflation der Eurozone beitrat, betrug der Preisanstieg aufgrund der Währungsumstellung lediglich 0,4 Prozentpunkte, woraufhin sich die Lage stabilisierte.
Im September 2025 erreichte die jährliche Inflation in Bulgarien bereits 4,1 Prozent und zählt damit zu den höchsten in der Europäischen Union. Trotzdem ist die EZB-Präsidentin überzeugt, dass die langfristigen Vorteile des Übergangs zum Euro die potenziellen kurzfristigen Risiken deutlich überwiegen.
Lagarde betonte, dass die Einführung des Euro Bulgarien erhebliche wirtschaftliche Chancen eröffnen werde. Zu den wichtigsten Vorteilen zählte sie den Wegfall der Währungsumrechnungskosten beim Export in EU-Länder, wodurch bulgarische Unternehmen jährlich rund eine Milliarde Lewa (etwa 1,09 Milliarden US-Dollar) einsparen könnten. Darüber hinaus erhalte Bulgarien Zugang zu günstigeren Krediten, stabileren Finanzmärkten und einem breiteren Spektrum an Investitionsmöglichkeiten.
Gleichzeitig warnte Lagarde, die größte Gefahr für das Land liege nicht in steigenden Preisen oder Souveränitätsverlusten, sondern im Verlust der Reformdynamik nach dem Beitritt zur Eurozone. „Wenn Länder die notwendigen Reformen einstellen, riskieren sie, die Vorteile der gemeinsamen Währung zu verlieren“, so die EZB-Chefin abschließend.
Trotz vorübergehender wirtschaftlicher Herausforderungen ist die Europäische Zentralbank daher überzeugt, dass Bulgariens Beitritt zur Eurozone ein Schritt hin zu mehr Finanzstabilität, Integration in den europäischen Markt und langfristigem Wirtschaftswachstum sein wird.
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