Die sich verschärfende Lage um den Iran hat bereits Auswirkungen auf die ukrainische Landwirtschaft. Aufgrund stark gestiegener Preise für Dieselkraftstoff und Mineraldünger sind Landwirte gezwungen, ihre Produktionspläne anzupassen, was sowohl die Ernte als auch das Exportpotenzial des Landes beeinträchtigen kann.
Reuters berichtet über diese Entwicklungen und nennt Beispiele von Betrieben in den zentralen Regionen der Ukraine. Analysten betonen, dass globale geopolitische Ereignisse die lokale Wirtschaft, insbesondere die Agrarproduktion, zunehmend belasten.
Bezeichnend ist die Situation des 70-jährigen Landwirts Mykola Maliyenko, der 1.200 Hektar Land bewirtschaftet und seine Produkte nach Europa exportiert. In dieser Saison plant er, die Maisernte im Vergleich zum Vorjahr um 100 Hektar zu reduzieren. Grund dafür ist der starke Anstieg der Düngemittelpreise nach Beginn des Konflikts um den Iran.
Ein ebenso gravierendes Problem für die Landwirte sind die Kosten für Dieselkraftstoff, der für die Feldarbeit und die Ernte benötigt wird. Laut Malienko hat sich der Dieselpreis seit Ende Februar fast verdoppelt und liegt aktuell bei 92 Hrywnja pro Liter, was die Kosten der Erzeuger erheblich erhöht.
Der Landwirt schätzt, dass die Produktionskosten in diesem Jahr um mindestens 10–15 % steigen könnten. Sollten die Spannungen im Nahen Osten anhalten, könnte dieser Wert auf 60 % steigen. In diesem Fall würden die Exportkapazitäten seines Betriebs um 15–20 % sinken, im Falle einer lang anhaltenden Krise sogar um bis zu 40 %.
Analysten von Reuters weisen zudem darauf hin, dass die aktuelle Situation Russland zusätzliche wirtschaftliche Vorteile verschaffen könnte. Als einer der wichtigsten Öl- und Gasexporteure profitiert Russland von den steigenden Energiepreisen, während ukrainische Landwirte gezwungen sind, teure importierte Kraftstoffe und Düngemittel zu kaufen.
Eine weitere Herausforderung stellen die begrenzten Kraftstofflagerkapazitäten dar. Aufgrund von Angriffen auf Öldepots vermeiden die Lieferanten den Aufbau großer Vorräte, was die Versorgung der Landwirte in Spitzenzeiten erschwert.
Dmytro Skornyakov warnt ebenfalls vor steigenden Kosten. Seinen Schätzungen zufolge könnten die Kosten für ukrainische Landwirte kurzfristig um 20–30 % steigen, und die Produktionsmengen der laufenden Saison würden um 5–10 % sinken, falls die Witterungsbedingungen die negativen Auswirkungen wirtschaftlicher Faktoren nicht ausgleichen.
Infolgedessen gerät der ukrainische Agrarsektor durch mehrere Faktoren gleichzeitig unter Druck – von globalen Konflikten bis hin zu Einschränkungen der internen Infrastruktur. Dies birgt Risiken nicht nur für einzelne Betriebe, sondern auch für das gesamte Volumen der Agrarexporte, das für die Wirtschaft des Landes von entscheidender Bedeutung ist.
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