Der Frühling 2026 war für die Weinbauern in der Ukraine erneut eine schwierige Zeit. Obwohl der Winter ohne größere Schäden am mehrjährigen Holz der Rebstöcke verlaufen war, brachten April und Anfang Mai mehrere Frostwellen mit Temperaturen bis zu -9 °C. Diese abrupten Temperaturschwankungen stellten selbst erfahrene Betriebe vor große Herausforderungen.
Dies berichtete AgroNews. Wie bereits erwähnt, sind solche Temperaturstürze für viele Winzer nichts Neues, doch die Dauer und Intensität der Kälte in diesem Jahr zwangen die Betriebe, ihre üblichen Schutzmaßnahmen zu überdenken.
Ein Beispiel für betroffene Betriebe ist die Familienbaumschule „Vinogradnyk Yulinykh“ mit über 800 Rebsorten und Hybriden, darunter auch neueste ukrainische und ausländische Züchtungen. Auf diesem Betrieb trafen die Spätfröste die Pflanzen in kritischen Entwicklungsphasen.
Die größte Gefahr bestand in der Phase des Knospenanschwellens, des Austriebs (grüner Kegel) und der Bildung der ersten 2–5 cm langen Triebe. In dieser Zeit ist das junge Gewebe besonders empfindlich, und selbst ein leichter Temperaturabfall auf –1…–2 °C kann schwere Schäden verursachen.
Laut der Besitzerin des Weinguts, Olha Yulina, waren die Sorten Arkadiya, Kodryanka, Livia und Preobrazhenie am stärksten betroffen. Als Hauptgründe für die Verluste nennt sie den frühen Beginn der Vegetationsperiode sowie die Lage einiger Rebstöcke in Senken, Tälern und sogenannten Frostmulden, wo sich die Kälte besonders stark sammelt.
Die Expertin erklärt, dass die Folgen von Frost je nach Ausmaß der Schädigung der Pflanze unterschiedlich ausfallen können. Sind nur junge grüne Triebe betroffen, kann der Strauch die Verluste durch Nachwachsen der Knospen teilweise kompensieren. Bei Beschädigung der zentralen Fruchtknospen kann der Ertrag je nach Sorte um 20–60 % sinken. Gleichzeitig wirkt sich ein mäßig kühler Frühling mitunter positiv auf die Beerenqualität aus und verbessert das Verhältnis von Säure und Aroma.
Nach mehreren Frösten konzentrierte sich der Betrieb auf die Schadensbegutachtung, die Normalisierung des Triebwachstums und die Verstärkung des Schutzes vor Pilzkrankheiten. Laut Olha Yulina erhöht sich aufgrund von Temperaturschwankungen und erhöhter Luftfeuchtigkeit das Risiko für Mehltau, Echten Mehltau und Graufäule deutlich.
Um die Auswirkungen von Stress zu reduzieren, setzen die Winzer verschiedene agrotechnische Maßnahmen ein, darunter Mulchen des Bodens, Kontrolle der Verdunstung, gleichmäßige Tropfbewässerung und eine ausgewogene Stickstoffdüngung. Besonderes Augenmerk liegt auf den sogenannten „Grünen Arbeiten“ – dem Anbinden von Trieben und Seitentrieben, dem Ausdünnen der Blätter und der Normalisierung der Lese, die in diesem Jahr aufgrund des ungleichmäßigen Wachstums der Rebstöcke mehr Zeit in Anspruch nehmen.
Die Expertin betont, dass für Einsteiger im Weinbau die richtige Sortenwahl und eine gründliche Analyse des Standorts entscheidend sind. Schon ein Höhenunterschied von 5–10 Metern kann das Mikroklima erheblich beeinflussen: Bei Frost kann der Temperaturunterschied bis zu 3–4 °C betragen, was die Rebe vor Schäden bewahren kann.
In den ersten Jahren nach der Pflanzung eines Weinbergs ist es ihrer Meinung nach wichtig, nicht auf eine schnelle Ernte zu zielen, sondern sich auf die Ausbildung eines kräftigen Wurzelsystems und eines starken Holzes zu konzentrieren. Der zukünftige Erfolg des Weinguts hängt vom Gleichgewicht zwischen Kronenbelüftung, moderater Belastung und einem gesunden Laubapparat ab, der die Zuckersynthese und die Reifung der Reben gewährleistet.
Olha Yulina schlussfolgert, dass Weinberge unter Berücksichtigung zukünftiger Klimaveränderungen angelegt werden sollten: „für das Klima von 2035“ und nicht für die Bedingungen vergangener Jahrzehnte. Für die Region Dnipropetrowsk bedeutet dies, auf Dürren, Temperaturschwankungen, Spätfröste und heiße Sommer vorbereitet zu sein, denn unter den heutigen Bedingungen sind es nicht die produktivsten, sondern die stabilsten und anpassungsfähigsten Betriebe, die im Vorteil sind.
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