Der amerikanische Ölkonzern Exxon Mobil hat Gespräche mit den venezolanischen Behörden über die Wiederaufnahme der Ölförderung im Land nach einer fast zwanzigjährigen Pause aufgenommen. Sollte eine Einigung erzielt werden, wäre dies eine der aufsehenerregendsten Rückkehren eines internationalen Energieriesen auf den venezolanischen Markt der letzten Jahre.
Dies berichtet die New York Times unter Berufung auf eigene Quellen. Laut den Gesprächspartnern der Zeitung könnten die Parteien bereits im Mai eine entsprechende Vereinbarung abschließen und offiziell verkünden.
Die vorläufigen Bedingungen umfassen Verträge zur Erschließung von sechs Ölfeldern in verschiedenen Regionen Venezuelas. Die Umsetzung eines solchen Projekts würde die tatsächliche Rückkehr von Exxon in das Land bedeuten, das über einige der größten Ölreserven der Welt verfügt.
Die Beziehungen zwischen Exxon und der venezolanischen Regierung sind seit 2007 angespannt, als der damalige Präsident Hugo Chávez die Ölanlagen ausländischer Unternehmen, darunter Exxon und anderer internationaler Energiekonzerne, verstaatlichte.
Anschließend weigerte sich Exxon, die Verhandlungen mit Caracas fortzusetzen, verließ das Land und wandte sich an ein internationales Schiedsgericht. Laut der New York Times hat Venezuela dem Unternehmen die von internationalen Gerichten zugesprochene Entschädigung in Höhe von rund einer Milliarde US-Dollar noch immer nicht gezahlt.
Bereits im Januar bezeichneten Exxon-Vertreter Venezuela als „investitionsunfähig“ und betonten, dass „sehr tiefgreifende Veränderungen“ notwendig seien, damit das Unternehmen zurückkehren könne. Der Konzern äußerte insbesondere Bedenken hinsichtlich früherer Fälle von Vermögensbeschlagnahmungen.
Die Situation wurde durch Äußerungen von US-Präsident Donald Trump weiter verkompliziert. Der amerikanische Präsident warf Exxon übermäßige Gerissenheit vor und drohte sogar, dem Unternehmen die Geschäftstätigkeit in Venezuela zu untersagen.
Analysten gehen davon aus, dass Exxons Interesse an einer Rückkehr auf den venezolanischen Markt vor dem Hintergrund des Iran-Krieges, der zu einem Anstieg der Weltmarktpreise für Öl und Gas beigetragen hat, gestiegen sein könnte. Darüber hinaus strebt das Unternehmen angesichts der globalen Instabilität auf den Energiemärkten eine Diversifizierung seiner Energiequellen an.
Ein zusätzlicher Anreiz für Exxon könnte die Aktivität seines Hauptkonkurrenten, der Chevron Corporation, sein. Letzten Monat kündigte Chevron eine groß angelegte Erweiterung des größten Ölprojekts in Venezuela an, was den Wettbewerb um den Zugang zu den lokalen Ressourcen verschärfte.
Laut Quellen der New York Times besuchten Exxon-Vertreter bereits im April Caracas, um die geplanten Ölfelder zu begutachten. Derzeit arbeitet das Unternehmen aktiv an einer möglichen groß angelegten Rückkehr auf den venezolanischen Markt und der Wiederherstellung seiner Präsenz im Land nach einem langen Konflikt mit den Behörden.
e-finance.com.ua
